1. Juli 2022

Im Rahmen unserer Bewerbung zur Umweltschule beschäftigten wir uns auch mit der Herstellung von Kleidung unter Einbezug der ökologischen und sozialen Kriterien. So freuten wir uns sehr, dass Oliver Streit und Selina Bock vom Politmobil Nürnberg mit ihrem Projekt „Textilfabrik“ bei uns zu Gast waren.

Wie wird Kleidung gemacht?

„Wisst ihr, woraus Kleidung gemacht wird?“, war Herrn Streits erste Frage. Da war die Antwort noch leicht: Baumwolle, Schafwolle oder synthetische Fasern. Gleich wurde auch die eigene Kleidung dahingehend untersucht und eifrig auf den Etiketten nachgelesen. Doch wo wächst Baumwolle? Herr Streit erklärte, dass die Baumwolle aus wärmeren Kontinenten stammt wie Südostasien, Australien, Afrika und Südamerika, aber auch in Europa in der Türkei wird sie angebaut.

Die Herstellung unserer Kleidungsstücke erfolgt in Textilfabriken, beispielsweise in Bangladesch, China, Rumänien oder Salvador. Arbeitsteilig wird an verschiedenen Stationen in Fließbandarbeit gearbeitet, immer die gleiche Arbeit viele Stunden am Tag.

Wir nähen unser eigenes T-Shirt!

Das durften die Dritt- und Viertklässler dann selbst ausprobieren:

  1. Am „Maltisch“ mussten mittels Schablonen Vorder- und Rückseite eines T-Shirts auf Stoffteile aufgezeichnet und mit Schneiderkreide die Nahtlinien markiert werden.
  2. Am „Schneidetisch“ erfolgte der Zuschnitt entlang der äußeren Linien.
  3. Am „Hefttisch“ mussten Vorder- und Rückseite passgenau zusammengelegt und geheftet werden. Dazu wurden die Teile entlang der gestrichelten Nahtlinie leicht zusammengenäht.
  4. Am „Nähtisch“ erfolgte die feste Naht mit der Nähmaschine.
  5. Am „Applikationstisch“ schließlich durften die T-Shirts verziert und mit Schrift und Mustern versehen werden.

Faire Bezahlung?

Nach getaner Arbeit durfte jedes Kind aus einem Sack ein mitgebrachtes Kleidungsstück ziehen und anhand des eingenähten Etiketts ermitteln, aus welchem Land dieses Kleidungsstück stammt. Dies war dann auch das Land, in dem das Kind quasi in der Textilfabrik beschäftigt war. Je nach gezogenem Land erfolgte die „Bezahlung“, die von einem halben Gummibärchen bis zu 10 Gummibärchen reichte. Als die Kinder den Lohn für ihre Arbeit sahen, kam großer Protest auf: „Ich habe genauso viel gearbeitet und bekomme nur ein halbes Gummibärchen!“ – „Das ist nicht fair!“ – „Total ungerecht!“ – „Ich fühle mich betrogen!“

Die Mitarbeiter des Politmobils erklärten den Kindern, dass es genau so auf der Welt sei. Ein Textilarbeiter in Bangladesch bekommt für die gleiche Arbeit symbolisch ausgedrückt ein halbes Gummibärchen, wohingegen ein Arbeiter in einer deutschen Fabrik zehn Gummibärchen bekommt, also 20-mal so viel.

Herr Streit hatte ein Plakat von Rina, einer Textilarbeiterin in Bangladesch dabei. Sie arbeitet von Montag bis Samstag, acht Stunden pro Tag. Die Fabriken sind marode, es ist eng, laut und heiß. Der Lohn reicht gerade mal zum Überleben. Am Sonntag muss sie im Garten arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Wenn man gegen die Bedingungen protestiert, muss man Angst um sein Leben haben.

Was können wir tun?

Die Ungerechtigkeit gerade am eigenen Leib erlebt, begannen die Kinder bereits zu überlegen, was man machen könnte, damit Rina einen fairen Lohn für ihre Arbeit bekäme.

Herr Streit bot den Kindern sieben Möglichkeiten an, die sie in Gruppen diskutieren sollten: Protestieren, Spenden, Second-Hand-Ware kaufen, Billigware kaufen, teure Ware kaufen, nur Ware „made in Germany“ kaufen, Ware mit fairem Siegel kaufen.

Die verschiedenen Möglichkeiten wurden im Anschluss gemeinsam erörtert:

Protestieren könnte schon aufmerksam machen, doch ob die Demonstrationen die Verantwortlichen in Bangladesch wirklich erreichen, ist fraglich.

Würde jeder Deutsche pro Jahr nur einen Euro spenden, würde das Rina und den anderen Arbeitern sicher helfen. Doch dann müsste sichergestellt sein, dass das Spendengeld auch bei ihnen ankommt.

Der Kauf von Second-Hand-Ware schont sicher die Umwelt, den Menschen in Bangladesch ist aber kaum geholfen damit.

Auch der Kauf von billiger oder teurer Ware hilft nicht automatisch. In der gleichen Fabrik wird sowohl Billigware als auch teure Markenware produziert.

„Made in Germany“ sagt nicht viel aus, denn allein durch das Annähen nur eines Knopfes auf ein in Bangladesch hergestellten T-Shirts kann dies auf dem Etikett stehen.

Siegel und Label

Bei Siegeln über faire Herstellung besteht noch die größte Garantie, dass den Menschen in den Fabriken geholfen wird. Hierbei betrachten Organisationen die sozialen und ökologischen Bedingungen vor Ort. Doch nicht alle Siegel sind glaubwürdig und halten, was sie versprechen. Um vor „Fake“-Siegeln geschützt zu sein, teilte Frau Bock den Kindern eine kleine Broschüre aus, in der die verschiedenen Label, einer kritischen Bewertung unterzogen, aufgeführt waren. Dabei schnitten u.a. „earth positive“, „fairtrade“, „fair wear foundation“, „GEPA fair“, „hessnatur“ und „WFTO World Fair Trade Organisation“ am besten ab.

Klar, dass die Kinder nochmal einen Blick auf die Etiketten in ihren eigenen Kleidungsstücken warfen. Stolz konnte der eine oder andere entdecken, dass sein Gewand wohl unter fairen Bedingungen hergestellt worden war. Sicher wird daheim das Erforschen weitergehen.

Unser Dank gilt den Mitarbeitern des Politmobils Nürnberg für diesen aufschlussreichen Vormittag.

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